Vista im Selbstversuch (I)

Hier nun erste Ergebnisse des Vista-Selbstversuchs. Vorsicht, es könnte etwas länger werden. Wahrscheinlich wird es diese Art Berichterstattung nicht jeden Tag geben, wahrscheinlich auch nicht immer so lang wie heute. Aber nach einer “Clean”-Installation gibt es nun mal viel zu erzählen.
Fangen wir bei der Hardware an. Diese ist halbwegs aktuell, ein Asus A8N32-SLI-Mainboard mit einem Opteron 165 (2x 1,8 GHz) mit 2 GiB RAM und einer GeForce 7900 GT. Dazu zwei Seagate-Festplatten, eine Hauppauge-TV-Karte und ein Sound Blaster Live! Value. Als optisches Laufwerk dient ein LG-DVD-Brenner. Insgesamt halbwegs aktuelle Hardware (ok, bis auf die Soundkarte vielleicht). Extern geht es weiter mit 2 HP-Druckern (ja aus Sicht der Tintenflaschenökonomie sind es 2) und ein Canon Scanner (CanoScan 3200F). Dieser Rechner, wie auch sein Vorgänger (welcher jetzt als Server arbeitet), kannte Zeit seines Lebens (also seit Ende Mai) nur das Windows XP Professional Betriebssystem, das auf meinen Rechnern schon sehr, sehr lange zum Einsatz kommt, genauer gesagt fast seit Verkaufsstart und eigentlich so gut wie immer eine gute Figur abgegeben hat. Das mag daran liegen, dass sich Windows 2000 zuvor schon etabliert hat und die Änderungen in XP nicht allzu groß ausfallen, aber das ist dem Konsumenten ja egal. Auf jeden Fall bleibt festzuhalten, dass Microsoft nach satten fünf Jahren tatsächlich ein neues Betriebssystem zur Marktreife (zumindest ist die Marketing-Abteilung davon überzeugt) gebracht hat. Da aufgrund meines “Doppellebens” bei GamePorts über kurz oder lang ohnehin kein Weg an Vista vorbeiführen wird (Stichwort DirectX10), habe ich jetzt schon mal angefangen, mich mit dem neuen Betriebssystem bekannt zu machen. Ich habe mich hierbei für eine saubere Installation (also mit vorherigem Formatieren der Windows-Partition) entschieden, weil erfahrungsgemäß ein Update von einer Windows-Version auf eine neuere nicht (immer) zufriedenstellend funktioniert.

09:45 war es dann soweit, das Backup aller halbwegs relevanten Sachen (eigentlich der gesamten Windows-Partition :D) war abgeschlossen und der Boot von der Vista-DVD kann beginnen. Hierbei fällt auch schon die erste Neuerung auf. Die Vista-Installation findet so gut wie gar nicht mehr im Textmodus statt, alles wird stattdessen schick im Grafikmodus präsentiert. Nach der Spracheingabe möchte Vista gerne die Seriennummer wissen. Seit dieser Windows-Version entscheidet einzig und allein diese Nummer, was installiert wird (welche Edition, welches Lizenzmodell [Update, Retail oder Systembuilder]), die DVD ist also praktisch neutral. Wird keine Seriennummer eingegeben, kann sich der Anwender frei aussuchen, welche Edition von Vista er 30 Tage lang testen möchte, in dem Fall wird nämlich eine Testversion installiert. Ich habe an dieser Stelle ein Windows Vista Home Premium (Systembuilder) in der 32-bit Version zur Verfügung. Das hat  diverse Gründe. Einmal ist die Home Premium-Version für den Hausgebrauch und fürs Spielen absolut ausreichend. Features wie die Dateisystemverschlüsslung mögen für manche Zielgruppen vielleicht nützlich sein, ich habe sie noch nie eingesetzt. Außerdem ist diese Version auch relativ erschwinglich (die Systembuilder-Version ohnehin, dafür gibts aber keinen Support von Microsoft!).
Außer dem wirklich sehr gut gelungenen Festplatten-Tool, mit dem sich Partitionen verwalten und formatieren lassen, bietet der Installer eher wenig Auswahlmöglichkeiten. Die längste Zeit darf der gespannte Anwender dann den Installationsstatus bewundern.

Zirka 20 Minuten später ist die Installation abgeschlossen und Vista möchte wissen, wie der Hauptbenutzer heißt und wo der Rechner zum Einsatz kommt. Anschließend wird noch “die Leistungsfähigkeit des Computers” ermittelt und damit ist die Installation auch schon abgeschlossen. Der Spaß kam aber noch, nämlich als es um die Treiber ging. Wer aktuelle, aber nicht brand-neue Hardware in seinem Rechner stecken hat, darf sich prinzipiell erst einmal freuen. Hier läuft Vista relativ flüssig und hat auch einigermaßen passende Treiber. Beispielsweise war ich direkt nach der Installation in der Lage, mit einem Browser meiner Wahl ins Internet zu gehen. Vista hat den nVidia-OnBoard-Netzwerkanschluss gefunden und korrekt konfiguriert. Doch bei genauerem Hinsehen fehlte der Sound. Hierfür hatte Vista anscheinend keinen Treiber. Aber da kann Windows-Update, welches nach sechs Monaten, die Vista bereits zu haben ist, schon 70 MB an Sicherheits- und sonstigen Updates anbietet, weiterhelfen. Über diese Funktion wurde auch ein Sound-Treiber für den SoundBlaster Live! Value bereitgestellt. Allerdings war der alles andere als funktionierend, der Sound klang sehr übersteuert. Lösung des Problems: Sound fast auf 0 stellen und am Verstärker aufdrehen. Übersteuerung war weg, aber dafür das typische Brummen des Verstärkers gut zu hören. Tante Google hatte dann aber eine gute Idee. Man solle sich den vier Jahre alten, aktuellsten SoundBlaster Live!-Treiber für Windows XP herunterladen, ihn extrahieren und Windows sagen, es solle doch lieber diesen Treiber installieren. Bingo! Sauberer Sound und kein Übersteuern mehr. Da der mitgelieferte Treiber aus Windows XP Ähnliches konnte, ist es fraglich, warum der Vista-Treiber von Windows-Update das nicht auch hinbekommt.

Die Installation der Chipsatz- und Grafiktreiber lief problemlos – etwas Anderes wäre auch sehr enttäuschend gewesen, sind doch eben jene Treiber extra für Vista veröffentlicht worden. Auch der Treiber der TV-Karte war kein Hindernis, hier lief auch alles wie geschmiert. Drucker sowieso, diese Treiber gabs ja bereits auf der Vista-DVD. Aber dann der Scanner. Laut Herstellerwebseite (zumindest auf der englischen, auf der deutschen findet ein Support seit ~2004 nicht mehr statt, hat man den Eindruck) liefe der XP-Treiber auch unter 32-bit Vista. Also installiert, Scanner angeschlossen, Vista findet “CANOSCAN 3200F” – prima. Ins Grafikprogramm, Scannen via Twain – Fehlanzeige. Der Treiber meint, der Scanner wäre nicht angeschlossen. Super. Wenn jemand eine Lösung für dieses Problem hat, ich bin offen für alles.

Kommen wir nun zum wirklich Wichtigen, Browser und Mailclient. Ich hatte es mir beim Mailclient so konfiguriert, dass die E-Mails selber auf meiner Datenplatte (die zweite Festplatte) abgelegt werden. Das hat den Vorteil, dass die Windows-Platte nicht mit inzwischen 4 GiB Post aus nahezu zehn Jahren eMails belastet wird. Tja, leider verwehrt uns Vista diesen Kunstgriff. Grund: Unter Standardeinstellungen ist es einem Programm nicht erlaubt, außerhalb seines eigenen Ordners und seinem “Anwendungsdaten”-Ordner Daten zu bearbeiten oder zu erstellen. Normalerweise hätte hier also eine Bestätigung der Benutzerkontenkontrolle kommen müssen, stattdessen kommt aber eine halbwegs irreführende Meldung, dass die Dateien nicht exklusiv lesbar sind, ich solle doch bitte schauen, ob nicht ein anderes Programm bereits zugreift. Lösung des Problems war das Deaktivieren der Benutzerkontenkontrolle. Das hat außerdem den Vorteil, dass nicht für wirklich jede “tiefere” Aktion eine Bestätigung notwendig wird. Der Firefox hingegen läuft ausschließlich in seinem Anwendungsdaten-Ordner. Daher hier keinerlei Probleme.

Auf den ersten Blick scheinen auf jeden Fall die akut gebrauchten Anwendungsprogramme und meine Lieblingsspiele (derzeit z.B. GTA3 und Half Life2 Deathmatch) zu funktionieren. Aufgrund des damit verbundenen Aufwands werd ich deshalb, sofern es keine wichtigen Gründe erfordern, wohl nicht zu XP zurückwechseln – denn, und darauf bin ich noch gar nicht eingegangen, die AERO-Oberfläche von Vista sieht absolut phantastisch aus, das sollte nicht außen vor bleiben.
Wie dem auch sei, ich werde den Rechner jetzt auf jeden Fall erst einmal herunterfahren – und morgen heute gehts dann weiter im Programm.