Nickname = Realname = Unsinn

Zur Abwechslung (bisher war ja alles recht informativ) mal etwas Provokatives.

Wir schreiben das Jahr 1992. Das Internet fängt so gaaanz langsam an zu funktionieren und wird so gaaanz langsam auch erschwinglich. Gut, das ist nun nicht wirklich so ein Internet, wie wir es heute kennen, aber es gibt eine Vorstufe der heute weit verbreiteten Form der Kommunikation (Foren), nämlich das Usenet. Um das „Leben“ im Internet mit dem auf realem Boden nicht zu stark zu vermischen, haben sich Nicknames eingebürgert, (falls ihr zu der von mir jetzt gleich kritisierten Rasse gehört, hier die Erklärung, was Nicknames sind) d.h. die Leute nennen sich im Internet anders als im echten Leben, um von ihrer wahren Identität abzulenken, oder weil ihnen ihr wahrer Name nicht gefällt oder um ein Stück weit anonym zu sein oder oder oder…

Wir schreiben das Jahr 2005. Das Internet ist inzwischen ein Medium für alle geworden und was BSE im wahren Leben, das ist Phishing und Spam im Internet. Das Usenet wird hier und da von dubiosen Anbietern als die aller sicherste Quelle für *heiße* Sachen angepriesen und das „Leben“ findet inzwischen in einem oder mehreren der zahlreichen Foren statt. Diese Foren können recht unterschiedlich sein – viele Mitglieder, wenig Mitglieder, rot, blau, gelb, schwarz, silbern, viele sinnlose Beiträge oder nicht ganz so viele sinnvolle – das Angebot ist riesig. Jeder hat bestimmt auch eine Stammcommunity, die er regelmäßig besucht. Die meisten treten hier mit einem Nickname auf – sei es eine berühmte literarische Figur oder ein erfundener Name.  Für die weniger Kreativen gibts auch die Möglichkeit, sich mit ihrem Vornamen oder einer wohlklingenden Kombination der ersten paar Buchstaben ihres Vor- und Nachnamen anzumelden. So weit, so gut.  Aber wo kommt denn dieser Frank Müller* plötzlich her? Der soll schon über 2 Jahre registriert sein und laut Profil schon knapp 4000 Beiträge verfasst haben? Frank Müller*? Noch nie gelesen. Tomaten auf den Augen? Fünf Minuten und zwei Suchanfragen später ist der Grund schnell gefunden: Bis gestern hieß Frank Müller* holycow*. Joah, da war wohl ein Admin so freundlich und ist dem Frank seinem Wunsch nachgekommen, sich umbenennen zu lassen. Wirklich nett von dem Admin. Weniger toll ist die Tatsache, dass die Community nun nicht weiß, wer Frank Müller* früher mal gewesen ist. Ich meine, das merkt man dann und wann schon beim Lesen seiner Beiträge, aber er war halt zwei Jahre lang als holycow* unterwegs…

Sorry, aber ich für meinen Teil kann es schon nicht verstehen, warum im Internet, in dem – wohlbemerkt! – alle nach Anonymität schreien (und wehe es kommt mal eine Meldung über Verbindungsdatenspeicherung oder so), und sich dennoch mit ihrem ECHTEN Namen anmelden und das am Ende auch noch schön oder persönlicher finden (ich find das z.B. nicht schöner – und das Internet ist entweder gar nicht persönlich oder wird auf jeden Fall durch den Klarnamen nicht persönlicher gemacht – man muss sich halt mit seinem Namen bekannt machen…) – oder noch schlimmer: Sie lassen sich nachträglich umbenennen (natürlich auf ihren echten Namen). Da lob ich mir ehrlich gesagt die Foren, die Benutzer höchstens löschen, nicht aber umbenennen – das sollte alle Admins so machen…

Ganz besonders geistreich ist aber auch, wenn man sich in Chats, oder meinetwegen auch in Foren, trifft, dort mit Nicknames angemeldet ist und der Gegenüber einen trotzdem mit Klarnamen anspricht. HALLO? Was soll das denn? Könnte es EVENTUELL auch Absicht sein, dass man sich NICHT mit seinem richtigen Namen angemeldet hat? Gut – das ist für viele vielleicht kein Argument, aber wenn man sich mit Klarnamen anspricht, dann  ist das ganze im Prinzip schon dazu verurteilt, dass alle im Chat anwesenden oder Leser der Diskussion verwirrt sind, weil sie nicht wissen wer gemeint ist.

* Namen sind erfunden – falls jemand Parallelen zu seinem eigenen Schicksal glaubt gefunden zu haben, der sei versichert, dass dem nicht so ist.